“Digital Carbon Ecosystem” — Eine Möglichkeit zur globalen CO2- Reduktion
Das Internet griffbereit auf dem Smartphone? Das ist heutzutage selbstverständlich. Trotzdem hätten viele Nutzer wohl Schwierigkeiten, die Funktionsweise des Internets zu erklären. Laut Luca Crisciotti, CEO von DNV GL Business Assurance, wird dieses Schicksal auch die Blockchain-Technologie erleiden. Jeder von uns wird, meist unwissentlich, in der ein oder anderen Art und Weise Blockchain benutzen, ohne ein Experte der Technologie zu sein. Das Digital Carbon Ecosystem (DCE) ist ein solches Werkzeug, mit dem die Nutzung von Blockchain alltagstauglich wird.
Digitale Transformation bedeutet nicht einfach nur die Automatisierung von bestehenden Prozessen, sondern die Neugestaltung der Art und Weise, wie wir Dinge handhaben. Eine solche Transformation setzt die gemeinsame Gestaltung dieser Prozesse durch alle Stakeholder (Unternehmen, institutionelle Organisationen und Gesellschaft) voraus. Die Prozesse werden hauptsächlich durch Regeln und Regulierungen gesteuert. In dieser Hinsicht ist die Rolle der öffentlichen Verwaltung und Staaten als ungemein wichtig einzustufen. Aus diesem Grund arbeitet VeChain u. a. mit Sergio Mottola von San Marino Innovation zusammen. San Marino Innovation ist ein Regierungs-unternehmen, das sich zu 100 % im Besitz der Republik San Marino befindet, und hat die Mission, die wirtschaftliche Entwicklung durch offene Innovationsinitiativen voranzutreiben und die Präsenz von San Marino als Innovationszentrum international auszubauen. Das Instituts kann der Regierung Legislativvorschläge zur Erreichung verschiedener Ziele vorlegen und als Behörde im Bereich Innovation und Blockchain fungieren.
Während des VeChain-Summits 2019 kündigte Sunny Lu eine weitere institutionelle Organisation an, die Teil des DCE sein wird: das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Das ist insofern von großer Bedeutung, da die Vereinten Nationen (UN) 2015 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) verabschiedet haben. Die SDGs sind politische Zielsetzungen, die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. Die 17 SDGs sollen bis 2030 erreicht werden und werden durch 169 Unterziele erläutert und konkretisiert. Zusätzlich existieren SDG-Indikatoren, um die Auswirkungen auf das jeweilige Ziel und die Unterziele zu messen. Die Indikatoren werden jährlich evaluiert, weshalb die Anzahl der Indikatoren variiert. Derzeit gibt es 232 Indikatoren für alle 17 Ziele.
Die SDGs traten im Januar 2016 in Kraft und werden bis 2030 weiterhin die Politik und Finanzierung des UNDP leiten. Als führende UN-Entwicklungsagentur ist das UNDP in der Lage, durch seine Arbeit in rund 170 Ländern zur Umsetzung der Ziele beizutragen. Das UNDP unterstützt die Regierungen bei der Integration der SDGs in ihre nationalen Entwicklungspläne und -strategien. Diese Arbeit ist bereits im Gange, da das UNDP viele Länder dabei unterstützen, die bereits im Rahmen der Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG) erzielten Fortschritte zu beschleunigen.
Gleichzeitig beginnen Unternehmen zu verstehen, dass sie auf globale Ziele ohne die Beteiligung der Gesellschaft nur wenig Einfluss haben. Die Rolle von Unternehmen verändert sich nun allmählich. Momentan integrieren nur wenige Unternehmen Nachhaltigkeit in ihre Geschäftspraktiken. Schaut man sich jedoch die Webseiten von Unternehmen an, bekommt man den Eindruck, dass alle im Begriff sind, die Welt zu retten. Oftmals handelt es sich hierbei Projekte, die global betrachtet zwar einen positiven jedoch geringen Einfluss aufweisen. Teilweise können solche Projekte auch dem Greenwashing zugeordnet werden, d.h. Unternehmen verleihen sich ein umweltfreundliches oder verantwortungsbewusstes Image, ohne dass hierfür eine Grundlage exisitert. Die Methoden reichen dabei von unseriösen Labels, vagen Produktaussagen bis hin zu Unwahrheiten.
Hinzu kommt, dass jedes Land isoliert handelt und die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens in eigene Gesetze umsetzt. In Deutschland ist das der Klimaschutzplan 2050. Deutschland’s langfristiges Ziel ist es, bis 2050 weitgehend treibhausgasneutral zu werden. Um diese Ziele zu erreichen, sind mehrere Instrumente wie der europäische Emissionshandel, der Abbau umweltschädlicher Subventionen, klimafreundliche Investitionen, klimabezogene Bildung sowie der Klimaschutz in Unternehmen Teil des Klimaschutzplans. Eine weitere Herausforderung ist der Zugang zu Informationen und Ressourcen, um die spezifischen Ziele und deren Umsetzung besser zu verstehen. Die Überwachung und Bewertung der Fortschritte sowie die Bewertungen auf verschiedenen Ebenen sind ebenfalls ein Hindernis. Die Gesamtkoordination zwischen globalen, nationalen und lokalen Parteien kann eine schwierige Aufgabe sein. Das Koordinations-problem betrifft aber nicht nur die geografische Koordination, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren.
Es existieren mehrere Möglichkeiten zur CO2-Reduktion. Momentan wird in Deutschland über eine CO2-Steuer diskutiert. Die Idee hinter einer CO2-Steuer ist recht simpel: Deutschland legt einen Preis für CO2 fest. Der Preis richtet sich nach den CO2-Äquivalenten derjenigen Emissionen, die bei der Nutzung der Energieträger frei werden. Werden fossile Brennstoffe aus dem Ausland importiert oder in Deutschland gefördert, muss dafür etwas an den Staat entrichtet werden. Infolgedessen würden Öl, Kohle und Gas aufgrund des gestiegenen Preises für Verbraucher und Unternehmen weniger attraktiv. Mehr als 40 Regierungen weltweit haben eine Form von CO2-Steuer verabschiedet. Dabei sanken die britischen CO2-Emissionen 2017 auf das Niveau von 1890. Kritiker entgegnen, dass höhere Preise vor allem Einkommensschwache treffen und Menschen trotz höherer Preise ihr Verhalten nicht ändern.
Ein anderer Weg CO2 einzusparen, ist der Handel mit Emissionszertifikaten. “Der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) ist seit 2005 das zentrale Klimaschutzinstrument der EU. Mit ihm sollen die Treibhausgas-Emissionen der teilnehmenden Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie reduziert werden.” Unternehmen müssen Zertifikate besitzen, um ein Anrecht auf den Ausstoß von CO2 zu haben. Die jährliche, maximal zulässige auszustoßende Menge Kohlendioxid wird durch eine staatliche Kommission festgelegt. Unternehmen können ihre Zertifikate am Kapitalmarkt verkaufen oder zusätzliche Zertifikate erwerben. Dadurch entsteht ein finanzieller Anreiz weniger CO2 auszustoßen. In der Theorie scheint der Emissionshandel eine gute Lösung zu sein, in der Praxis treten dagegen einige Probleme auf:
- Die traditionellen Zertifizierungssysteme für CO2-Anlagen sind komplex, zeitaufwändig und stehen nur der Industrie und nicht den Verbrauchern zur Verfügung.
- Der Emissionshandel ist hauptsächlich durch behördliche Anordnungen und nicht durch marktorientierte wirtschaftliche Anreize angetrieben. Darüber hinaus werden mehr Zertifikate ausgegeben als strukturell benötigt werden, sodass ein Zertifikateüberschuss entsteht.
- Derzeit gibt es weder einen Standard für die Quantifizierung der individuellen CO2-Reduktion, noch ein wirksames Belohnungssystem, um Einzelpersonen zur Teilnahme an der CO2-Reduktion anzuregen. Da es weltweit über 7 Milliarden Menschen gibt, kann kein Programm ohne die Teilnahme von Einzelpersonen erfolgreich sein.
- Die Daten zur CO2-Reduktion können in jeder Phase von der Quelle bis zur Speicherung gefälscht oder verändert werden. Da es an effektiver Kontrolle mangelt, ist es schwierig, die Daten zu überwachen.
Was hat das alles mit DCE zu tun? Das VeChain-Ökosystem hat das Potenzial, diese Herausforderungen zu bewältigen und zur Verbesserung des Implementierungsprozesses der SDGs beizutragen:
Das Digital Carbon Ecosystem (DCE) stellt eine Möglichkeit dar, wie Unternehmen, institutionelle Organisationen und Gesellschaft gemeinsam an einem übergeordneten Ziel — der Reduktion von CO2-Emissionen — arbeiten können.
Gemeinsam mit DNV GL und einigen chinesischen Firmen (BYD, PICC, und Shanghai Xiandao Food) entwickelte VeChain dazu ein Pilotprojekt. Dabei wird das menschliche Verhalten digitalisiert und mittels Blockchain werden Anreize gegeben, damit sich Menschen klimafreundlich verhalten. In diesem Ökosystem exisiteren drei verschiedene Rollen:
- Provider von Dienstleistungen: VeChain stellt das technische Grundgerüst bereit, während DNV GL als Experten im Bereich Energie eine Formel zur Berechnung von Emissionsgutschriften (“Carbon Credits”) entwickelt hat.
- Carbon Emission Reduction (CER)- Wegbereiter: Diese Akteure im Ökosystem erlauben dem Nutzer gesammelte Daten hochzuladen. Ein solcher Akteur ist beispielsweise BYD, welche weltweit führend beim Verkauf von Elektrofahrzeugen sind. In Elektroautos von BYD ist eine App installiert, womit der Fahrer Fahrdaten hochladen kann. Mittels Smart Contract werden die Emissionsgutschriften gemäß oben erwähnter Formel an den Fahrer ausgeschüttet. In folgendem Video wird die App vorgestellt:
- Carbon Emission Reduction (CER)-Supporter: Diese Unternehmen (z.B. PICC oder Bright Food) bieten Produkte oder Dienstleistungen an, die im Tausch mit den Emissionsgutschriften von Verbrauchern erworben werden können. Zu den Produkten oder Dienstleistungen zählen unter anderem Versicherungen oder Lebensmittel.
Dem DCE liegt eine Win-Win-Win-Situation zugrunde: Mit dem DCE wird für jeden Nutzer im Ökosystem der CO2-Fußbabdruck bzw. die Reduktion der CO2-Emissionen messbar. Dadurch werden erstmals auch Millionen von Verbrauchern motiviert, ihren CO2-Fußabdruck tagtäglich zu reduzieren. Durch entsprechenden Verhalten werden Nutzer mit Carbon Credits belohnt. Die CER-Supporter im Ökosystem können sich durch die messbare CO2-Reduktion von ihren Konkurrenten abheben. Es lässt sich nachweisen, dass eine Investition in das Ökosystem eine gewisse Anzahl an Konsumenten dazu motiviert hat, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern. Weiterhin werden die Supporter von einem höheren Nutzeraufkommen profitieren. Das DCE schafft auch neue Geschäftsmöglichkeiten und einen höheren Wert für Unternehmen. Die CER-Wegbereiter hingegen können ihre Services verbessern und sich so von Konkurrenten außerhalb des Ökosystems unterscheiden.
Ein Aspekt, der nochmals deutlich vorgehoben werden sollte, ist die Beteiligung auf individueller Ebene. Momentan existiert kein Anreiz sich klimafreundlich zu handeln. Wir beharren auf unseren eigenen Vorteil und behaupten, dass der Einzelne oder das eigene Land das Klima nicht alleine retten kann. Den eigenen Lebenstil zu ändern, wird auch aufgrund emotionaler Aspekte wie Gewohnheit, Bequemlichkeit oder Verdrängung nicht in Betracht gezogen. Werden wir aufgrund von politischen Entscheidungen dann gezwungen unser Handeln zu ändern oder überdenken, entsteht oft Ablehnung gegenüber dieser Entscheidung. Dies lässt sich gut am Beispiel der Fahrverbote — ganz abgesehen von deren Sinnhaftigkeit — erleben. Aber auch Menschen, die zum Klimaschutz beitragen möchten, stehen vor dem Problem der Quantifizierung. Es existieren zwar Apps oder Rechner, mit denen man seinen individuellen Fußabdruck “berechnen” kann, allerdings sind diese Lösungen unpraktisch oder ungenau. Mit dem DCE entsteht ein fundamentaler Wandel von Handlungsvorschriften zu einem Anreizsystem. Gleichzeitig werden die Auswirkungen der Handlungen praktisch quantifizierbar.
Abschließend möchte ich auf obiges Pilotprojekt etwas genauer eingehen. Der Kauf eines Elektroautos anstelle eines Verbrenners trägt bereits zur Reduktion von CO2 bei. Darüber hinaus spielt der Fahrstil eine größere Rolle. Häufiges Vollgasfahren oder abruptes Beschleunigen bzw. Bremsen führt dazu, dass die Batterie schneller nachgeladen werden muss. Bei einem sanften Fahrstil wird die Batterie dagegen geschont. Folglich musst die Batterie seltener aufgeladen werden. Genau diese Differenz zwischen den beiden Fahrstilen ist nun messbar. Es ist wichtig, dass Menschen, die sich bereits so verhalten, belohnt werden. Gleichzeitig soll die Belohnung für Menschen, die sich noch nicht so verhalten, einen Anreiz darstellt, ihr Verhalten zu ändern. Das Fahrverhalten wird mittels eines von DNV GL entwickelten Models und dazugehörigem Algorithmus in eine Punktezahl umgewandelt. Aus dieser Punktzahl erhält der Nutzer dann die Emissionsgutschriften (Carbon Credits) in Form einer Kryptowährung. Diese können dann bei dem im Ökosystem beteiligten Partnern in Produkte oder Dienstleistungen umgewandelt werden. Bright Food, Chinas zweitgrößter Lebensmittelhersteller, ist hier als Beispiel zu nennen. Das neuste Mitglied des Ökosystem ist das Renji Krankenhaus in Shanghai, bei dem die Nutzer ihre medizinische Versorgung mit Carbon Credits bezahlen können. Der Eigentümer eines Elektroautos hat mit einem umweltfreundlichen Fahrstil kostenlos Lebensmittel erwerben können oder sich medizisch versorgen lassen. Das Fahren eines Elektroautos ist allerdings nur ein Fallbeispiel.
VeMag ist Hobbyprojekt. Wenn du mich unterstützen willst, kannst du dies gerne tun. Vielen Dank!
VET: 0x44BeF4B2E9c0E0C2856cFa8Dc7F4d717218833b3